Datum:     Samstag, 22. August 2015

Startort:  Dawson City (stark bewölkt, ca. 7°)

Zielort:   West Fork Campground (bedeckt, Regen, ca. 5°)


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Nachdem bisher ja alles soweit problemlos gelaufen ist, beschliesst Mike etwas Action in die Bude zu bringen und zerbröselt beim morgendlichen Linsenputzen ihre rechte Kontaktlinse. Wer Mike näher kennt und um ihre Sehkraft (ob das bei ihr der richtige Ausdruck ist?) weiss, kann sich vorstellen, dass das der absolute Stimmungsbooster ist – vor allem an einem Samstag. Zwar hat sie ihre Brille mit, aber die hilft grade mal, um den Weg zum 1,5 m entfernten WC im Camper zu finden. Zum Glück ist es in der Schweiz aber erst kurz vor 16 Uhr und dank Maritas Hilfe ist die Telefonnummer des Optikers in Zürich schnell eruiert. Auch dort hat sie Glück, dass noch jemand arbeitet und verspricht, sofort eine Ersatzlinse zu bestellen. Die Produktion wird zwar ein paar Tage dauern, aber innert Wochenfrist sollte dann Hilfe auf den Weg gebracht werden können. Sven und Moni informieren uns über Transportmöglichkeiten und –kosten wie wir das ersehnte Stück dann von Zürich zu uns schaffen können. Da kommen jetzt noch ein paar Anrufe auf uns zu, aber wir sind zuversichtlich, dass bis in 10 Tagen auch Mike wieder sieht, was so um uns herum passiert. Falls jemand ernsthaft glaubt, dass Mike diese Aufregungen ohne Nikotin verdauen kann: dream on, honey!

 

Nach all dem Stress lassen wir uns zuerst einmal das Frühstück schmecken und machen dann einen Strandspaziergang, um den Raddampfer-Friedhof (Sternwheeler Graveyard), wo die längst ausgedienten Schiffe liegen, zu besuchen. Ein eher deprimierender Ort und dazu ausgesprochen einsam. Wir machen sicherheitshalber genug Lärm – nur falls da irgendwo ein Bär nach Muscheln oder leckeren Touristen sucht…

Da das Wetter eher trüb ist (in der Nacht hat es geregnet), setzen wir nochmals mit der Fähre über den Yukon und statten dem Visitorcenter einen weiteren Besuch ab, um vielleicht doch noch ein paar Fotos hochzuladen und euch miterleben zu lassen, was wir hier so alles erleben. Diesmal haben wir mehr Erfolg und es gelingt uns endlich, die Tücken der Technik zu überwinden.

 

Nach einem kurzen Einkauf machen wir uns auf den Weg zum Top of the World-Highway, auch wenn das bei Sonnenschein sicher netter wäre.

 

Nach nur wenigen Kilometern ist es vorbei mit geteerter Strasse und dennoch sind wir überrascht, wie gut es sich auf der „gravel road“ fahren lässt. Unser Turtle tut so, als ob er nie was anderes getan hätte und bringt uns fast ohne Schütteln immer höher bis über die Baumgrenze hinauf. Die Landschaft ist wunderschön, der Blick findet erst am Horizont eine Grenze und wir treffen kaum andere Reisende. Diese endlose Einsamkeit hat etwas Beruhigendes und gleichzeitig fühlen wir uns ganz klein und völlig unbedeutend. Lediglich die Vorstellung hier zu stranden, ruft dann doch etwas mulmige Gefühle hervor. Die Fotos, die wir schiessen, lassen höchstens im Ansatz erahnen wie gewaltig die Leistung der Strassenbauer gewesen sein muss (und immer noch täglich ist: ein 2014 völlig neu geteerter Abschnitt ist dieses Jahr bereits wieder vollkommen zu Schotter erodiert!).

 

Nach gut 1,5 Stunden kommen wir an die Grenze, wo wir nochmals 12 Dollar abdrücken dürfen, da unsere Einreiseerlaubnis („ESTA“) nur für flugreisende Immigranten von Nutzen ist. Dafür kriegen wir neben dem offiziellen Stempel auch noch einen pittoresken „Elk“ (= Hirsch, nicht Elch = Moose) in unsere Pässe gestempelt (wer hat schon ein Tier im Pass?!). Überhaupt sind die Beamtinnen wesentlich netter als wir das sonst von Reisen in die Staaten kennen und lachen sogar mit uns.

 

Unser nächstes Ziel ist die Ortschaft „Chicken“, wo sich René als passionierter Poulet-Esser natürlich wie zu Hause fühlt und kaum fassen kann, dass er hier nicht seine geliebten Poulet-Flügeli bekommt. Er lässt sich aber schnell mit einem Burger trösten, während Mike glücklich an ihrem doppelten Espresso (der den Namen tatsächlich verdient) nuckelt. Ansonsten hat dieses Kaff (ungefähr 3 Häuser) nicht wirklich viel zu bieten, aber lustig war es trotzdem und selbst hier hören wir schweizerdeutsche Gesprächsfetzen (ist überhaupt noch jemand zu Hause – hier wimmelt es von Schweizern…!!!).

 

Da das Wetter nun langsam schlechter wird, entschliessen wir uns, nur noch ein paar Kilometer zu fahren und die Nacht auf dem West Fork Campground zu verbringen. Dort finden wir eine wunderbar gelegene Site direkt am Johna-Lake (benannt nach dem Hund des vormaligen Besitzers, wuff), wo öfters Biber und Elche zu sehen sein sollen. Natürlich lässt sich Meister Moose bis am Abend nicht blicken, was eventuell auch am kurz nach unserer Ankunft einsetzenden Regen liegen kann (wer will auch vor die Tür, wenn es so schüttet - also die Rest-Raucherin der Reisegruppe hat da volles Verständnis für die Geweihträger). Also besinnen wir uns auf unsere Kernkompetenzen und basteln uns ein Züri-Geschnetzeltes mit Reis (Rösti liegen leider nicht drin, da wir kein Gemüse in die USA einführen durften).

 

Beim Wechsel in die Staaten haben wir von Pazifik-Time auf Alaska-Time umgestellt und somit eine Stunde gewonnen. Somit wird es nun eine Stunde früher dunkel und wir haben gehofft, endlich unsere neu erstandene Campinglampe einweihen zu können – bei dem Regen allerdings müssen wir dieses Vorhaben wohl verschieben.

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